„Keine Sorge, ich werde ein Auge auf Sie werfen“, so die beruhigende Aussage von Katharina Bussemaß, Diplom-Optometristin, nachdem sie die Dorotheenstädter Lions am 1.11.2008 in ihre Tätigkeit bei den Special Olympics eingewiesen hatte (siehe Bild). In der Tat, eine echte Herausforderung, die da auf die Löwen bei der Sportgroßveranstaltung im Europasportpark zukam. Es waren Hunderte von geistig behinderten Sportlern, die nach Berlin gekommen waren, um sich in zahlreichen Wettbewerben zu messen (Tischtennis, Badminton, Schwimmen, Kraftdreikampf, siehe auch http://www.specialolympics.de).
Frau Bussemaß und ihr Team, allesamt Optometrie-Studierende der TFH Berlin und der Fachhochschule Jena, ging es allerdings weniger um die sportlichen Leistungen. Vielmehr leitete sie in diesem Jahr das Projekt „Opening Eyes“, das im Rahmen der Special Olympics das Sehvermögen der behinderten Athleten prüfte. Alle Sportler/innen waren eingeladen, ihre Sehkraft testen zu lassen. Und hier kamen die Lions ins Spiel, denn es gab viel zu tun: Unter fachkundiger Anleitung der angehenden Optometristen, allesamt bereits ausgebildete Optiker, füllten die Löwen Anamnese-Bögen aus und betreuten die unterschiedlichsten Screening-Stationen, die die Athleten aufsuchten. U.a. wurden Tests auf Farbfehlsichtigkeit durchgeführt, die Sehleistung festgestellt, ggf. eine Augenglasbestimmung durchgeführt – überall gab es Dienste zu leisten. Die Lions zeigten auf die unterschiedlichen Symbole, die die Sportler auf den Tafeln erkennen mussten, damit Brillen mit korrekter Stärke angepasst werden konnten.
Eine großartige Leistung, die die jungen Fachleute hier vollbrachten: Während normal entwickelte Menschen Zahlen und Buchstaben problemlos nennen können, arbeiten die Experten hier mit Kreisen, Vierecken, Äpfeln oder Häusern, die die Probanden auch sprachlich leicht identifizieren können. „Behinderte fallen nicht selten durch das Raster der medizinischen Vorsorge“, so Katharina Bussemaß, die ihre Diplomarbeit zu diesem Thema geschrieben hat. „ Es bedarf spezieller Techniken und besonderer sozialer Kompetenzen, um die Sehkraft dieser Menschen zu prüfen.“
Mit großer Geduld und einfühlsam führten die Studierenden die Tests durch, und auf so manchen behinderten Sportler wartet eine brandneue Brille mit angepassten Gläsern, die er alsbald in Empfang nehmen kann. Auch gab es Empfehlungen, in bestimmten Fällen den Augenarzt aufzusuchen. Aber auch diejenigen, bei denen kein eingeschränktes Sehvermögen diagnostiziert wurde, gingen nicht leer aus: Sie erhielten Sonnenbrillen oder Sportartikel, alle gesponsort von namhaften Herstellern, die sie für das doch zeitaufwändige Screening entschädigten.
Aber noch aus einem anderen Grund wurden die Fachleute besonders gefordert: Einige behinderte Sportler/innen waren mit ihren Betreuern aus London und Cardiff angereist, so dass die Kommunikation auf Englisch stattfand. Ideal, denn „Fachenglisch“ steht auch auf dem Studienplan der angehenden Optometristen, und eine bessere Übung hätte man sich nicht vorstellen können.
Bleibt noch zu erwähnen, dass neben der Sehkraft auf Wunsch auch die Zahngesundheit und die Füße der Sportler/innen untersucht wurden, und auch eine Ernährungsberatung fand statt.
Für die Lions des Clubs Berlin-Dorotheenstadt ein ganz besonderes Wochenende, unser Motto „we serve“ ganz direkt gelebt: Dort Hilfe leisten, wo sie benötigt wird, sich zutrauen, mit behinderten Menschen zusammenarbeiten und dabei ganz unmittelbar etwas zurückzubekommen, kurzum eine Actitity, die nicht nur wegen „Sight First“ optimal zu den Lions passt.
Dr. Kurt Bangert, Activity-Beauftragter